Wolle, Kaschmir, Kamelhaar —
was steckt in Ihrer Bettdecke?
Vier Naturfasern, die wir bei somne verwenden — und warum wir auf gewöhnliche Schurwolle bewusst verzichten.
Auf dem Markt für Bettwaren konkurrieren zwei grundlegend verschiedene Materialgruppen: Naturfasern und synthetische Fasern. Polyester, Mikrofaser und Hohlfaser-Füllungen dominieren das Niedrigpreissegment — und gelegentlich auch das mittlere Segment, obwohl sie dort als „Thermofaser“ oder „klimaaktiv“ vermarktet werden.
Was diese Materialien nicht leisten können: aktive Feuchtigkeitsregulierung. Eine Polyester-Bettdecke isoliert (manchmal sogar gut), aber sie gibt Feuchtigkeit nicht ab — sie bleibt im Material. Das Ergebnis kennen viele: die feuchte, stickige Bettdecke nach einer warmen Nacht.
Naturfasern funktionieren anders. Sie nehmen Feuchtigkeit als Dampf auf, bevor sie sich „nass“ anfühlt, und geben sie wieder an die Raumluft ab. Manche von ihnen — allen voran Merinowolle — können bis zu 35 % ihres Eigengewichts auf diese Weise puffern. Dazu kommt natürliche Thermoregulierung, Selbstreinigung durch Lanolin und eine Langlebigkeit, die synthetische Alternativen selten erreichen.
Im Folgenden erklären wir die vier Naturfasern, die wir bei somne einsetzen — und ordnen Schurwolle als Vergleich ein.
Naturfaser vs. Synthetik auf einen Blick
| Eigenschaft | Synthetik | Naturfaser |
|---|---|---|
| Feuchtigkeitsregulierung | ✗ staut | ✓ bis 35 % |
| Thermoregulierung | ✗ passiv | ✓ aktiv |
| Selbstreinigung | ✗ häufig waschen | ✓ Lüften reicht |
| Haltbarkeit | wenige Jahre | Jahrzehnte |
| Biologisch abbaubar | ✗ nein | ✓ vollständig |

Merinowolle
Ganzjahresfaser, bestes Feuchtigkeitsmanagement
- Faserdurchmesser
- 16–24 µm
- Herkunft
- Südostauralien
Merinowolle ist die vielseitigste Naturfaser im Schlafbereich. Ihre besondere Stärke liegt in der Feuchtigkeitsregulierung: Sie kann bis zu 35 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Die Feuchtigkeit wird als Dampf aufgenommen und langsam an die Raumluft abgegeben. Das hält die Schlaffläche trocken — auch bei starkem Nachtschwitzen. Der Faserdurchmesser von 16 bis 24 Mikrometer macht Merinowolle deutlich weicher als gewöhnliche Schafwolle (die bei 30 bis 40 Mikrometer liegt). Direkter Hautkontakt ist problemlos möglich.
Stärke: Feuchtigkeitsmanagement

Kamelhaar
Höchste Wärmeisolierung, leichter als erwartet
- Faserdurchmesser
- 17–21 µm
- Herkunft
- Wüste Gobi, Zentralasien
Kamelhaar kommt vom zweihöckrigen Trampeltier (Camelus bactrianus), das in der Wüste Gobi Temperaturen zwischen +45 °C im Sommer und −30 °C im Winter übersteht. Es wird nicht geschoren, sondern beim natürlichen Fellwechsel im Frühling eingesammelt — ein schonender Prozess. Das feine Unterhaar hat eine hohle Faserstruktur, die Luft einschließt und Wärme außergewöhnlich gut speichert. Das führt zu einer Paradoxie: Kamelhaar-Bettwaren sind sehr warm, aber verhältnismäßig leicht. Wer nachts friert und trotzdem keine schwere Decke will, findet hier eine überzeugende Lösung. Der natur-braune Farbton bleibt ungefärbt.
Stärke: Wärmeisolierung

Lamahaar
Die langlebigste Naturfaser
- Faserdurchmesser
- 20–30 µm
- Herkunft
- Südamerikanische Anden (Peru, Bolivien)
Lamas (Lama glama) sind seit über 5.000 Jahren domestizierte Andentiere. Ihr Haar ist im Vergleich zu Merino etwas grober, dafür aber deutlich robuster. Lamahaar-Fasern behalten ihre Spannkraft und Bauschigkeit über viele Jahre bei und reagieren widerstandsfähiger auf mechanische Beanspruchung. Für Menschen, die Bettwaren als langfristige Investition betrachten, ist Lamahaar die rationellste Wahl unter den Naturhaaren. In Sachen Klimaregulierung überzeugt Lamahaar das gesamte Jahr: gute Feuchtigkeitsaufnahme, gute Atmungsaktivität, und eine Wärmeleistung, die für die meisten Schlafzimmertemperaturen ausreichend ist.
Stärke: Langlebigkeit

Kaschmirwolle
Ultraleicht, bis zu dreimal wärmer als gewöhnliche Schafwolle
- Faserdurchmesser
- 12–16 µm
- Herkunft
- Hochebenen Zentralasiens (Mongolei, Iran)
Kaschmirwolle stammt vom Unterfell der Kaschmirziege (Capra hircus laniger), die auf Hochebenen über 3.000 Metern lebt und im Frühling von Hand ausgekämmt wird. Pro Tier fallen dabei nur 100 bis 200 Gramm verwendbare Fasern an — das erklärt den hohen Preis. Das Ergebnis rechtfertigt ihn: Kaschmir isoliert bis zu dreimal besser als gewöhnliche Schafwolle bei gleichem Gewicht. Eine Kaschmirdecke ist deutlich leichter als vergleichbare Merino- oder Lama-Decken. Der Griff ist seidig, die Faseroberfläche extrem glatt. Für Kälteempfindliche, die unter dem Gewicht schwerer Decken leiden, ist Kaschmir oft die einzige befriedigende Lösung.
Stärke: Leichtigkeit & Wärme
Schurwolle
Zum Vergleich — robust, aber zu grob für unseren Anspruch
- Faserdurchmesser
- 25–40 µm
- Herkunft
- Europa, Australien, Neuseeland
Schurwolle ist der gesetzlich geschützte Begriff für Wolle, die von lebenden, gesunden Schafen durch Schur gewonnen wird — im Gegensatz zu Recyclingwolle oder Reißwolle. Sie ist die Basis vieler Wollprodukte und überzeugt durch Lanolin-Gehalt (natürliche Selbstreinigung) und Robustheit. Warum wir bei somne keine Schurwolle einsetzen: Unsere Materialien bieten deutlich mehr Komfort und Weichheit. Gewöhnliche Schurwolle kratzt — ihre groben Fasern (25–40 µm) reizen empfindliche Haut und führen zum typischen „Wollekratzen“, das viele von früher kennen. Unsere vier Fasern sind spürbar feiner (12–24 µm), seidig weich auf der Haut und verursachen kein Jucken. Dazu kommt: Jede unserer Fasern hat eine klare Spezialisierung — Feuchtigkeitsmanagement (Merino), Wärmeisolierung (Kamelhaar), Langlebigkeit (Lama), Leichtigkeit (Kaschmir) —, die gewöhnliche Schurwolle in keiner Disziplin erreicht.
Stärke: Selbstreinigung
Welches Material passt zu Ihnen?
Unser Materialberater hilft Ihnen in wenigen Fragen zur richtigen Bettdecke.
Eine Anmerkung zu Allergien
Der Begriff „Wollallergie“ ist häufig ungenau. Was viele als Allergie erleben, ist keine immunologische Reaktion auf das Wollprotein, sondern eine Hautreizung durch die Schuppen grober Fasern oder durch Lanolin. Merinowolle ist aufgrund ihrer Feinheit (unter 24 Mikrometer) für die meisten „Wollallergiker“ gut verträglich. Wer besonders empfindlich auf Lanolin reagiert, sollte vorab ein kleines Hautkontaktstück testen.